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Europa im Folsäure-Rückstand

Ungeplante Schwangerschaften, mangelnde Aufklärung und geringes Wissen über mögliche Fehlbildungen beim Ungeborenen: Die Empfehlung, rechtzeitig vor Beginn einer Schwangerschaft Folsäure einzunehmen, um das Auftreten eines Neuralrohrdefekts (NRD) zu verhindern, wird von jungen Frauen nur unzureichend befolgt. Und das, obwohl es weltweit jährlich etwa 250.000 Schwangerschaften gibt, die entweder zur Geburt eines schwer behinderten Kindes oder zu einem vorzeitigen Abbruch führen.

Trotz zahlreicher Aufklärungskampagnen wird ein Großteil der Frauen immer noch nicht erreicht, so dass immer mehr Nationen auf diese unbefriedigende Situation reagieren und Mehl sowie Getreideprodukte mit Folsäure anreichern - in 38 Ländern ist bereits der Startschuss gefallen, oder es wurde einer Einführung zumindest zugestimmt. Schlusslicht ist und bleibt leider die Europäische Union.

Dabei würde eine flächendeckende Anreicherung von Grundnahrungsmitteln in moderater Höhe bereits das Risiko von Neuralrohrdefekten senken. Mögliche Bedenken hinsichtlich der "Maskierung" eines Vitamin-B12-Mangels oder anderer negativer Folgen sind bei diesen Dosierungen nicht angebracht und auch von Ländern wie den USA, die Getreide bereits mit Folsäure anreichern, nicht bestätigt worden. Hoher Nutzen bei hoher Sicherheit - worauf warten die Europäer?

Quelle: Wald NJ: Folic acid and the prevention of neural-tube defects. N Engl J Med 350, 101-103, 2004
Wald NJ, Law MR, Morris JK, Wald DS: Quantifying the effect of folic acid. Lancet 358, 2069-2073, 2001

Februar 2004

 

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