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Bundesregierung reagiert auf Forderungen des Bundesrates nach Maßnahmen zur Verbesserung der Folsäureversorgung der Bevölkerung

Im September 2006 hatte der Bundesrat die Bundesregierung zu verschiedenen Maßnahmen zur Verbesserung der Folsäureversorgung in der deutschen Bevölkerung aufgefordert. Dazu hat für die Bundesregierung das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ende Juli 2007 Stellung genommen.

Demnach wird der Schwerpunkt entsprechender Aktivitäten der Bundesregierung eine gezielte Aufklärungs- und Informationskampagne ("Folsäurekampagne") über die Folgen einer zu geringen Folsäurezufuhr, insbesondere in der Frühschwangerschaft sein. Sie soll sich gezielt an Frauen im gebärfähigen Alter wenden, um bei diesen die Prävention von Neuralrohrdefekten durch die Einnahme von Supplementen oder den bewussten Verzehr von angereicherten Lebensmitteln besser zu verankern. Hierbei sollen wichtige Ansprechpartner für die Frauen wie Mediziner und ihre Verbände, Familienberatungsstellen und Krankenkassen einbezogen werden. Da in Deutschland bislang kaum Untersuchungen durchgeführt worden sind, in denen die Intensität, Qualität und Konsistenz bisheriger Aufklärungsversuche für diese Zielgruppe nach wissenschaftlichen Kriterien bewertet wurden, sollen ferner diese Maßnahmen begleitet ausgewertet werden. Für dies wird die Bundesregierung in den nächsten drei Jahren zusätzlich Mittel bereitstellen, wobei die Planung, Durchführung und Evaluierung der Kampagne der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung übertragen wird.

Außerdem ist der tatsächliche Versorgungszustand unterschiedlicher Bevölkerungsgruppen mit Folat nur unzulänglich bekannt. Daher soll der Folatstatus bundesweit repräsentativ bestimmt werden. Dazu ist im Rahmen der Gesundheitsberichterstattung beim Robert-Koch-Institut der für 2008/2009 geplante Erwachsenensurvey vorgesehen. Ergänzend soll genau erfasst werden, wie viel Folat bzw. Folsäure durch natürliche bzw. angereicherte Lebensmittel oder in Form von Tabletten die Bundesbürger zusätzlich aufnehmen. Hierzu wird die im April 2008 erwartete Auswertung der Nationalen Verzehrsstudie NVS heran gezogen - nicht zuletzt im Hinblick auf die Auswirkungen einer immer wieder geforderten Anreicherung von Mehl bzw. einzelnen Mehlsorten.

Der Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit begrüßt prinzipiell, dass die Bundesregierung zur Verbesserung der Folatversorgung in der deutschen Bevölkerung aktiv wird. Allerdings gibt sein Sprecher, Prof. Dr. Berthold Koletzko, München, folgende Kritikpunkte zu bedenken: "Man muss in Deutschland nicht noch einmal beweisen, dass eine Millioneninvestition in eine Kampagne nur einen zeitlich und hinsichtlich der erreichten Bevölkerungssegmente begrenzten Effekt hat. Diese Erfahrung haben uns England und andere Länder bereits voraus. In Deutschland hat ein führender Hersteller bereits freiwillig Salz mit Folsäure angereichert. Wir fordern die Anreicherung von Mehl als weiterem Grundnahrungsmittel - und in diesem Fall die obligatorische eine Mehlsorte, da die Situation im Mehlmarkt dies nötig macht. Die Mühlenbetriebe haben dem Gesetzgeber angeboten, dem Verbraucher die Wahl zu lassen, inwieweit er auf mit Folsäure angereichertes Mehl zurückgreift: Sie schlagen im Falle einer vom Gesetzgeber gestützten Anreicherung die Beschränkung auf nur eine Mehl-Sorte der Type 550 vor, so dass für den Verbraucher weiterhin eine Wahlmöglichkeit bestehen würde."

Folat bzw. Folsäure ist ein lebenswichtiges B-Vitamin, das von grundlegender Bedeutung für Zellteilung und Zelldifferenzierung und somit für alle Wachstums- und Entwicklungsprozesse ist. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt Erwachsenen eine tägliche Aufnahme von 400 µg Nahrungsfolat. Doch im Durchschnitt werden nur 55 % dieser empfohlenen Zufuhr aufgenommen.

Für die gesunde Entwicklung eines Embryos hat die werdende Mutter noch einen weitaus größeren Folatbedarf. Ein großer Anteil der jährlich bei Embryos auftretenden Neuralrohrdefekte, eine der häufigsten Fehlbildungen bei Neugeborenen, könnte durch eine erhöhte Folsäurezufuhr vermieden werden. Mindestens vier Wochen vor bis zwölf Wochen nach der Empfängnis sollten Frauen täglich 400 µg Folsäure, in Form von Tabletten, zusätzlich zur üblichen Nahrung zu sich nehmen. Doch zu diesem Zeitpunkt wissen Frauen oft noch gar nichts von ihrer Schwangerschaft.

Aus diesen Gründen hat es sich der Arbeitskreis Folsäure & Gesundheit zur Aufgabe gemacht, die Bevölkerung über die gesundheitliche Bedeutung von Folat bzw. Folsäure zu informieren. Neben den Informationen auf der Homepage und einem persönlichen, interaktiven Folsäureberater bietet er eine Verbraucherbroschüre für die Bevölkerung sowie Fachbroschüren für Multiplikatoren an, die auf dieser Homepage herunter geladen oder hier kostenlos angefordert werden können.

Quellen:

Beschluss des Bundesrates: Entschließung des Bundesrates zur Verbesserung der Folsäureversorgung der Bevölkerung. Drucksache 670/06 (Beschluss), 20.09.06.

Bundesrat - Unterrichtung durch die Bundesregierung: Stellungnahme der Bundesregierung zu der Entschließung des Bundesrates zur Verbesserung der Folsäureversorgung der Bevölkerung. Drucksache 528/07.

September 2007

 
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