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Familienplanung: Gute mütterliche Folatversorgung könnte Autismus-Risiko beim Nachwuchs senken

Schwangerschaftsvorsorge und das Vitamin Folsäure/Folat* gehören zusammen: Frühzeitig eingenommen, schützt es das Ungeborene im Mutterleib vor schwerwiegenden Fehlbildungen. Wie wissenschaftliche Untersuchungen [1,2] zeigen, könnte eine gute Folatversorgung möglicherweise auch das Risiko für Autismus beim Nachwuchs senken, so der Arbeitskreis Folsäure und Gesundheit (www.ak-folsaeure.de). Bei diesem Krankheitsbild sind beispielsweise die sozialen Interaktionen der Betroffenen beeinträchtigt. „Die neueren Autismus-Studien liefern interessante Hinweise für einen weiteren Nutzen von Folsäure/Folat für die gesunde Kindesentwicklung. Ziel weiterer Forschung ist es jetzt, die genauen Zusammenhänge aufzudecken und die Effekte zu bestätigen“, sagt Prof. Dr. Berthold Koletzko, Sprecher des Arbeitskreises Folsäure und Gesundheit.

„Die jüngsten Hinweise sprechen erneut dafür, dass Frauen schon vor der Schwangerschaft an ihren Folatstatus denken sollten“, erinnert Koletzko. „Idealerweise sollte ab Kinderwunsch täglich ein Präparat mit mindestens 400 Mikrogramm Folsäure eingenommen werden.“ Zusätzlich sei es generell ratsam, auf eine folatreiche Ernährung zu achten. Dazu gehöre, viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukte und Hülsenfrüchte zu verzehren. Da die Hälfte aller Schwangerschaften ungeplant eintritt und in diesen Fällen die Folsäure-Präparate zu spät eingenommen werden, sollten generell im Haushalt mit Folsäure angereicherte Grundnahrungsmittel, etwa bestimmte Speisesalze, genutzt werden.

Autismus und Folat – derzeitige Erkenntnisse
Dass ein guter mütterlicher Folatstatus vor Autismus schützt, wäre einem Autorenteam um die Epidemiologin Elizabeth A. DeVilbiss, Philadelphia, zufolge biologisch plausibel: [1] Denn das B-Vitamin ist unter anderem wichtig für die Bildung der menschlichen Erbinformation DNA und damit für alle Entwicklungs- und Wachstumsprozesse. Autismus tritt vermutlich als Folge einer Entwicklungsstörung des Gehirns auf. Die Wissenschaftler überprüften ihre Annahme anhand einer systematischen Auswertung elf epidemiologischer Studien zur Verbreitung von Autismus in der Bevölkerung. Die größte Untersuchung dabei war die Norwegian Mother and Child Cohort Study. [2] Sie berücksichtigte Daten von etwa 85.000 Kindern, die zwischen 2002 und 2008 geboren wurden. Diejenigen Kinder, deren Mütter rund um den Zeitpunkt der Empfängnis Folsäure supplementiert hatten (mindestens 400 Mikrogramm täglich), wiesen ein um etwa 40 Prozent geringeres Autismus-Risiko auf als Kinder von Müttern ohne spezielle Folsäure-Aufnahme. Entscheidend war dabei der frühe Start der Einnahme. Hatten die Frauen mit der Folsäure-Prophylaxe erst nach der achten Schwangerschaftswoche begonnen, wirkte sich dies nicht mehr positiv auf das Autismus-Risiko des Kindes aus. [2]

Insgesamt waren die Ergebnisse der Literaturauswertung von DeVilbiss und Kollegen jedoch nicht eindeutig. Die Autoren regen weitere Forschungen an, um die Präventionsmöglichkeiten von Folsäure mit Blick auf Autismus näher zu bestimmen. Wie sie schreiben, stieg die Prävalenz von Autismus in den USA von 5:10.000 in den 1980er Jahren auf 1:68 Kinder im Jahr 2010 an. Die Erkrankung geht mit einer erheblichen Belastung für die Betroffenen und ihre Familien einher. [1]

Autismus: Komplexe Entwicklungsstörungen
Der Begriff Autismus oder auch Autismus-Spektrum-Störung umfasst verschiedene komplexe Entwicklungsstörungen wie den frühkindlichen Autismus oder Autismus Asperger. Charakteristisch ist, dass Betroffene sich nur schlecht verständlich machen können, Probleme bei sozialen Interaktionen haben oder stereotype, sich wiederholende Verhaltensmuster zeigen. Autismus ist ursächlich nicht heilbar. Zur Häufigkeit gibt es für Deutschland keine genauen Angaben. In den USA stiegen die Fallzahlen in den letzten Jahren deutlich an. Ein Grund mag die immer bessere Diagnose sein: Autismus ist als Erkrankung bekannter als noch in früheren Jahren und wird frühzeitiger und häufiger festgestellt. Jedoch können für den Anstieg auch genetische Ursachen sowie Umgebungsfaktoren, vor allem die Ernährung, eine Rolle spielen. [1,3]


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* Folat und Folsäure: Die verschiedenen folatwirksamen Verbindungen in Lebensmitteln bezeichnen Experten mit dem Sammelbegriff Folat(e). Folsäure ist die Bezeichnung für die Vitaminform, die bei der Anreicherung von Lebensmitteln zugesetzt wird oder in Supplementen enthalten ist.


Quellen:
1) DeVilbiss EA et al. (2015): Maternal folate status as a risk factor for autism spectrum disorders: a review of existing evidence. Br J Nutr. Sep 14;114(5):663-72.
2) Suren P et al. (2013): Association Between Maternal Use of Folic Acid Supplements and Risk of Autism Spectrum Disorders in Children. JAMA, 309:570-577
3) Autismus Deutschland e.V.: Was ist Autismus? (siehe http://www.autismus.de/was-ist-autismus.html, abgerufen am 15.04.2016)

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